Der Kalte Krieg und die Beziehungen zwischen den USA und der VR China 1949-1971

Der Kalte Krieg und die Beziehungen zwischen den USA und der VR China 1949-1971

04.11.2018 22:44

Von Chaoting Cheng
04.11.2018

1. Anfänge des Kalten Krieges

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gab es nur zwei große Weltmächte: die USA und die Sowjetunion. Vor diesem Hintergrund waren auch Europa und die Welt polarisiert worden. Die Nationalstaaten verloren an Bedeutung gegenüber den Blöcken, die sich seit 1947 zu verfestigen begannen: den von den USA geführten westlichen Demokratien und den „Volksdemokratien“ mit der Sowjetunion als Vormacht.


9. Februar 1946: Stalins bedeutende und drohende Rede in Moskau
Im Februar 1946 hielt Stalin in Moskau eine Hardliner-Rede. Der Sowjetdiktator erklärte, Kommunismus und Kapitalismus seien „unvereinbar“ und die Sowjetunion müsse daher militärisch aufbauen. Diese Rede war genug, um einige Pessimisten in den USA davon zu überzeugen, dass sich die Sowjets auf den Krieg vorbereiteten.

Ende Februar, 1946: George F. Kennans berühmtes „langes Telegramm“
Ende Februar 1946, zwei Wochen nach Stalins einschüchternder Rede, traf ein sechzehnseitiges Telegramm von der amerikanischen Botschaft in Moskau in Washington ein. Es war von George F. Kennan, dem führenden Experten des US-Außenministeriums für Russland. Kennan zufolge waren die Sowjets, getrieben von Russlands traditionellem Gefühl der dauerhaften Unsicherheit und ihrer heftigen antikapitalistischen marxistisch-leninistischen Einstellung, dem Westen unwiderruflich feindlich gesinnt. Das Sowjetregime war eine brutale Diktatur. Es brauchte fremde Feinde, um seine strenge Herrschaft zu rechtfertigen. Kennan warnte davor, dass die Sowjetunion ihre Expansionspolitik fortsetzen und versuchen würde, die kapitalistischen Staaten Westeuropas zu untergraben. Dies würde eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der USA darstellen.

05. März 1946: Churchill hielt seine „Eiserner Vorhang“-Rede
Am 05. März 1946 hielt Churchill seine berühmte „Eiserner Vorhang“-Rede vor einem großen Publikum in den USA. Er warnte vor dem eindringlichen und dringenden sowjetischen Expansionismus. Churchills Rede wird als Schlüsselmoment für den Beginn des Kalten Kriegs interpretiert. Man kann behaupten, dass Stalin und Churchill schon Anfang 1946 ihre Erklärungen zum Kalten Krieg veröffentlicht haben.

12. März 1947: Truman-Doktrin
Am 12. März 1947 gab der US-Präsident Truman vor dem US-Kongress eine Erklärung ab, die als sogenannte Truman-Doktrin in die Geschichte einging. Nach dieser Doktrin sollte es zum außenpolitischen Grundsatz der USA werden, „freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“. Truman erklärte, dass die USA bereit seien, dem dringenden Appell der griechischen Regierung um wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Griechischen Bürgerkrieg nachzukommen. Auch die Türkei, die sich in einer ähnlichen Situation wie Griechenland befand, solle amerikanische Hilfe erhalten.

Die Truman-Doktrin bedeutete das Ende der amerikanischen Kriegskoalition mit der Sowjetunion und markiert den substantiellen Beginn des Kalten Krieges. Mit ihr beginnt das finanzielle Engagement der USA in der Eindämmungspolitik.

Juni 1947: Marshallplan
Zwei Jahren nach dem Ende des zweiten Weltkrieg hatten sich die westeuropäischen Länder nicht von der Zerstörung des Krieges erholt. Die Demoralisation in Westeuropa schuf ideale Bedingungen für die kommunistische Propaganda. Die Antwort der Truman-Administration war das „European Recovery Program“, besser bekannt als Marshallplan. Der im Juni 1947 angekündigte Plan zielte darauf ab, dass die USA den Nationen Europas für die wirtschaftliche Erholung Milliarden von Dollar zur Verfügung stellen sollten.

In den nächsten drei Jahren gewährten die USA Westeuropa mehr als 12 Milliarden Dollar als Wirtschaftshilfe. Zudem förderte der Marshallplan die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Empfängern. Westeuropa hat daraufhin bis 1952 eine wirtschaftliche Erholung verwirklicht.

Man kann sagen, dass der Marshallplan eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Einflusses der Kommunisten in Westeuropa gespielt hat und als erfolgreichstes amerikanisches außenpolitisches Programm des Kalten Krieges betrachtet werden kann.

1948-1949: Die Berlin-Blockade und die Gründung der NATO
Als Reaktion auf die von den Westmächten eingeführte Währungsreform in Westdeutschland verboten die Sowjets am 24. Juni 1948 den gesamten Land- und Flussverkehr nach Berlin. Trumans Antwort war jedoch eindeutig: „Wir werden bleiben“. Die erste Berlin-Krise brach infolgedessen aus.

Durch die Blockade von Berlin trug Stalin unabsichtlich dazu bei, ein großes Problem für die Sowjetunion zu schaffen: die Nordatlantikvertragsorganisation (NATO). Am 4. April 1949 unterzeichneten die USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada und acht andere Nationen den Vertrag, um die NATO zu gründen. Ihre Mitglieder versprachen sich „gegenseitige Hilfe“ und bekräftigten, dass ein Angriff gegen ein Mitglied „als Angriff auf sie alle betrachtet werden sollte“.

Die Gründung der NATO war die erste Situation, zu der die USA in Friedenszeiten ein militärisches Bündnis eingingen. Sie förderte die europäische Integration zumindest auf der westlichen Hälfte des Kontinents. Ihre Existenz war ein wichtiger Schritt in der Institutionalisierung des Kalten Krieges. Außerdem signalisierte sie die unnatürliche Teilung Europas in einen kapitalistischen Westen und einen kommunistischen Osten, der vier Jahrzehnte andauern würde.

1949-1950: Die sowjetische Atombombe und NSC 68
Am 29. August 1949 testete die Sowjetunion ihre erste Atombombe, eine Entwicklung, die Washington schockierte. Plötzlich war das Monopol der USA bei Atomwaffen vorbei.

Am 07.04.1950 wurde das NSC 68 (National Security Council Paper Nummer 68) an Präsident Truman übergeben. Das NSC 68 warnte davor, dass die Sowjetunion unerbittlich expansivistisch sei und sagte voraus, dass die Zukunft „eine unbestimmte Zeit der Spannung und Gefahr“ bringen würde. Die USA mussten eine globale Sicht ihrer Sicherheitsbedürfnisse einnehmen und bereit sein, überall auf die sowjetischen oder kommunistischen Expansionen zu reagieren. So sollte die Eindämmung des Kommunismus zu einer globalen Politik werden.

2. Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und der VR China 1949-1971

01.10.1949: Die Gründung der Volksrepublik China
Nach dem Sieg der KPCh und der Proklamation der VR China am 1. Oktober 1949 durch Mao Zedong, floh Chiang Kai-shek mit seiner nationalchinesischen Regierung auf die Insel Taiwan. Ende 1949 wollten die USA die Volksrepublik China nicht sofort anerkennen, aber sie wollten auch keinesfalls Taiwan ermutigen, sich von China abzuspalten. Die USA versuchten, die sowjetische Kontrolle über China zu verhindern und eine chinesisch-sowjetische Spaltung zu ermöglichen. Aber kurz nach der Ausrufung der VR China reiste Mao nach Moskau, um das Bündnis mit der Sowjetunion offiziell zu verankern. Der Vertrag über „Freundschaft, Bündnis und gegenseitigen Beistand“ zwischen der Sowjetunion und der VR China wurde am 14. Februar 1950 unterzeichnet. Dieses Bündnis zerstörte die Hoffnungen der USA und stellte eine große Bedrohung für die Sicherheit der USA im asiatisch-pazifischen Raum dar. Die Truman-Administration verweigerte deshalb der kommunistischen Regierung auf dem Festland China eine diplomatische Anerkennung und wollte vielmehr an Chiang Kai-sheks Regime in Taiwan festhalten. Es war daher unvermeidlich, dass die Gegensätze zwischen Washington und Peking zunahmen.

06.1950: Koreakrieg
Mit dem überraschenden Ausbruch des Koreakrieges im Juni 1950 vollzogen die USA schließlich eine radikale Neuorientierung ihrer Außenpolitik und eine Normalisierung der Beziehungen zu dem kommunistischen Regime in Peking rückte in weite Ferne.

27.06.1950: Die 7. Flotte in der Taiwan-Straße
Am 27. Juni entsandte Präsident Truman die Siebte Flotte der amerikanischen Seestreitkräfte in die Straße von Taiwan. Mit dieser Entscheidung hatte sich die Position der amerikanischen Regierung erneut geändert und die USA stellten sich damit endgültig auf die Seite der taiwanesischen Regierung. Eine diplomatische Anerkennung der VR China war von nun an ausgeschlossen und daran sollte sich auch in den kommenden zwei Jahrzehnten nichts ändern. Für die VR China war dies jedoch nicht akzeptabel, da die Einmischung der USA eine Bedrohung für ihr Ziel einer nationalen Wiedervereinigung darstellte. Der damalige Außenminister Zhou Enlai bezeichnete deshalb den Befehl Trumans als eine Aggression gegen das Territorium der VR China.

1951-1954: Die USA bauten Bündnisse gegen die VR China im Westpazifik auf
Die Chinapolitik der USA in den 1950er Jahren war von einer Strategie der weltweiten Eindämmung des Kommunismus geprägt. Um eine erfolgreiche Eindämmungspolitik gegen China betreiben zu können, verfolgten die USA seit Ausbruch des Koreakrieges die Strategie, an Chinas Peripherie eine Reihe starker anti-kommunistischer Regimes zu errichten. Aus diesem Grund schlossen sie in den folgenden Jahren eine Reihe bilateraler und multilateraler Verteidigungsbündnisse im Westpazifik, die mit den Sicherheitsverträgen mit den Philippinen am 30. August 1951, mit Japan am 8. September 1951 und mit Australien und Neuseeland am 1. September 1951 begannen. Es folgten daraufhin noch weitere Bündnisse mit Südkorea am 1. Oktober 1953 und mit der nationalchinesischen Regierung auf Taiwan am 2. Dezember 1954, die schließlich mit der Unterzeichnung des Südostasienpaktes (SEATO) ebenfalls im Jahr 1954 ein Ende fanden. Gerade Taiwan wurde aufgrund der unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den USA und der VR China zu einem wichtigen Verbündeten Washingtons. Durch seine anti-kommunistische Ideologie und seine pro-amerikanische Einstellung, erhielt Taiwan eine Schlüsselrolle im Kampf gegen das kommunistische Regime in Peking.

1961-1969: Konflikte zwischen der VR China und der Sowjetunion und ihre Auswirkungen auf die amerikanisch-chinesichen Beziehungen
In den 1950er Jahren intensivierten die VR China und die Sowjetunion ihre Zusammenarbeit in der internationalen Politik, um gemeinsam gegen ihren Hauptfeind, die USA, Widerstand leisten zu können. So unterstützte Moskau stets die Bemühungen Pekings um eine Aufnahme in die Vereinten Nationen und stand ihm bei seinem Kampf für eine Wiedervereinigung mit Taiwan zur Seite. Die VR China war ihrerseits in dieser Zeit einer der treuesten Verbündeten der Sowjetunion, da Moskau einer der wichtigsten Garanten für ihre nationale Sicherheit war.

Ein tiefer Riss in dem chinesisch-sowjetischen Verhältnis begann sich jedoch abzuzeichnen, als Chruschtschow, der neue sowjetische Führer nach dem Tode Stalins im Jahr 1953, seit 1956 eine „Entstalinisierung“ durchführte. In den Jahren 1961 bis 1964 fand schließlich eine Generaldebatte zwischen der VR China und der Sowjetunion statt, in der sich beide Seiten gegenseitig Verrat am Marxismus-Leninismus vorwarfen.

Im Jahr 1968 veröffentlichte Moskau die Breschnew-Doktrin, in der Moskau die eingeschränkte Souveränität und das eingeschränkte Selbstbestimmungsrecht der sozialistischen Länder propagierte. Diese Doktrin löste bei den Chinesen eine große Besorgnis aus, da kein anderes kommunistisches Land die Vormachtstellung der Sowjetunion so offen herausforderte wie die VR China. Der Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei am 20. August 1968 war ein Schock für die chinesische Führung, da sie unweigerlich befürchten müsste, dass Moskau eine ähnliche Aktion auch gegen sie beginnen könnte. Daher stellte der sowjetische Sozialimperialismus eine wesentlich größere Bedrohung für die nationale Sicherheit der VR China dar als etwa der amerikanische Imperialismus. Im Frühjahr 1969 verschlechterten sich die sowjetisch-chinesischen Beziehungen dramatisch. Am 2. März 1969 kam es zu ersten Gefechten zwischen chinesischen und sowjetischen Truppen am Grenzfluss Ussuri und in der Folge verlagerte Moskau weitere Streitkräfte und Atomwaffen in das Grenzgebiet. Die politisch-ideologische Gegnerschaft zwischen der VR China und der Sowjetunion hatte sich allmählich in eine direkte militärische Konfrontation gewandelt und Moskau stieg zum ideologischen Hauptfeind Pekings auf. Die Chinesen entschieden sich deshalb für eine Annäherung an die USA, um ein strategisches Gegengewicht gegen die sowjetische Bedrohung zu bilden.

Der Konflikt zwischen Moskau und Peking war eine der wichtigsten Determinanten, die den Wandel von einer bipolaren zu einer multipolaren Weltordnung symbolisierte. Dieser ideologische Disput versetzte die USA in die Lage, separate Politiken gegenüber den beiden kommunistischen Großmächten zu betreiben, und hatte somit einen entscheidenden Einfluss auf die amerikanisch-chinesische Annäherung. Die Zusammenarbeit zwischen Washington und Peking entsprach lediglich einer geopolitischen Notwendigkeit, die aus Besorgnis über das Wachstum der sowjetischen Militärmacht entstand. Es war nun der besondere Verdienst der Nixon-Kissinger-Administration, die Bedeutung des Konflikts zwischen der VR China und der Sowjetunion richtig einzuschätzen und sie sich für ihre weltweite Gleichgewichtspolitik zu Nutzen zu machen.

3. Fazit

Nach dem kommunistischen Sieg in China im Jahr 1949 lehnten die USA die Anerkennung des neuen Regimes ab. Die USA nutzten auch ihre Macht, um das Peking-Regime von den Vereinten Nationen fernzuhalten. Die amerikanische Politik, die es unmöglich machte, konstruktiv mit China umzugehen, ging auf die antikommunistische Hysterie der späten 1940er und frühen 1950er Jahre und den Koreakrieg zurück. 1969 war die amerikanisch-chinesische Beziehung reif für Veränderungen.

Zu Anfang war die VR China ein Verbündeter der Sowjetunion, aber seit der „Entstalinisierung“ im Jahr 1956 stand China der Sowjetunion offen gegenüber. Die USA und die VR China hatten auch eine gemeinsame Angst: die sowjetische Militärmacht. Präsident Nixon sah die internationale Szene jetzt in einem anderen Licht. Für Nixon und Kissinger war die Normalisierung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen Teil ihrer Strategie für ein internationales Kräfteverhältnis, das ein besseres Management der Probleme der Welt ermöglichen würde. Es würde auch die Sowjetunion unter Druck setzen, ihr Verhalten zu mäßigen. Nach einer Reihe von Vorbereitungen, darunter einer geheimen Kissinger-Reise nach Peking im Jahr 1971, kam Richard Nixon endlich im Februar 1972 zu einem Staatsbesuch in China an.

4. Literaturverzeichnis

Berger, Ralph (2003). Die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der VR China 1969-1979. 1. Aufl. Frankfurt am Main: PETER LANG (Band 4).

Kort, Michael (1998). The Columbia Guide to the Cold War. 1. Aufl. New York: Columbia University Press.

Winkler, Heinrich August (2014). Geschichte des Westens - Vom Kalten Krieg zum Mauerfall. 1. Aufl. München: C.H.Beck.

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  • Erstellt von topofworld In der Kategorie Politik政治 am 04.11.2018 22:44:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet最后编辑: 05.11.2018 20:58
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